Practicing Efficiency in Motion

 

Practicing Efficiency in Motion

Wie viel Kraft braucht eine Bewegung wirklich – und was wird möglich, wenn wir sie nicht erzwingen?

Das morgendliche Training lädt die Teilnehmenden dazu ein, eine Effizienz zu erkunden, die aus einem umfassenderen Verständnis des eigenen Körpers entsteht: seiner Struktur, seines Gewichts und seiner Beziehung zum Boden und zum Raum.
Es richtet sich an Tänzer:innen, Performer:innen und alle, die sich für diesen Bewegungsansatz interessieren.
Bewegungserfahrung ist hilfreich.

Das Training umfasst zwei Teile und beginnt damit, die Aufmerksamkeit auf den Körper zu richten und
drei „Wie“-Fragen zu stellen:
Wie können wir unnötige Spannung loslassen?
Wie können wir die Unterstützung des Bodens nutzen, um uns leichter und effizienter zu bewegen?
Wie organisieren wir unseren Körper, während wir uns bewegen?

Im ersten Teil arbeiten wir am Boden mit gezielten, anatomisch fundierten Übungen. Sie helfen uns, überflüssige Spannung zu lösen und das Bewusstsein für die Struktur und die komplexen Verbindungen im Körper zu schärfen. Der Boden dient uns dabei als Partner und Stütze. Wir suchen nach Wegen, nur so viel Muskelkraft einzusetzen, wie eine Bewegung tatsächlich braucht. Dies hilft uns, gewohnte Bewegungsmuster zu verändern und zu entdecken, wie wir uns mit weniger Kraftaufwand bewegen können.

Der zweite Teil baut darauf auf: Im Stehen arbeiten wir weiter an der Ausrichtung des Skeletts und an der Unterstützung durch den Boden. Wir beginnen mit Übungen, die die verschiedenen Knochen und Gelenke unseres Körpers mobilisieren. Von dort aus beschäftigen wir uns mit dem Gewichtsfluss und dem daraus entstehenden Momentum sowie mit unserer Beziehung zur Schwerkraft, zum Atem und zum Impuls. Diese Prinzipien übertragen wir anschließend auf choreografisches Material. Statt Bewegungen zu erzwingen oder uns auf eine äußere Form zu konzentrieren, arbeiten wir mit der Logik, die ihnen zugrunde liegt: Wir setzen das Gewicht des Körpers und seiner Teile ein, arbeiten mit dem Fallen, lassen ein Momentum aus dem anderen entstehen und leiten es durch die feine Artikulation des Körpers ständig weiter – von einer Bewegung in die nächste und hinaus in den Raum.
So wird Bewegung weniger zu etwas, das wir machen, als zu etwas, das wir geschehen lassen.

Seit mehr als dreißig Jahren kultiviert laborgras eine Bewegungspraxis, die im amerikanischen postmodernen Tanz sowie in somatischen Bewegungspraktiken verwurzelt ist. Sie wurde durch langjährige Kooperationen und den gegenseitigen Austausch mit zahlreichen Künstler:innen, darunter David Hernandez, Rebecca Hilton und Keith A. Thompson, beeinflusst und wird immer weiter hinterfragt und verfeinert. Seit 1996 unterrichten Renate Graziadei und Arthur Stäldi zeitgenössischen Tanz, Improvisation und Komposition an renommierten Tanzinstitutionen sowie bei internationalen Programmen und Festivals in Europa, Australien, Südamerika und Asien. Die Bewegungsansätze im Training variieren je nach dem Bewegungsmaterial, an dem wir gerade arbeiten – immer mit dem Ziel, den Körper so vorzubereiten, dass er sich aufmerksam und differenziert darauf einlassen kann.

Im besten Fall verlässt man das Studio mit einem wachen, reaktionsfähigen Körper – bereit für den Tag.

Photo: Phil Dera