Biografie

Biografie

laborgras steht für einen Tanz, der Musikalität, Präzision und Poesie verbindet, sich immer wieder neuen Herausforderungen stellt und dabei die Grenzen des eigenen Handwerks auslotet. Das Kollektiv wurde 1994 von den Choreograf:innen und Tänzer:innen Renate Graziadei (AT) und Arthur Stäldi (CH) in Hamburg gegründet. Seit 2000 in Berlin ansässig, hat es sich als international anerkanntes Künstler:innenkollektiv etabliert. Seit über 30 Jahren erforscht laborgras Tanz als eigenständige Kunstform, untersucht seine Bedingungen und entwickelt sie weiter. In dieser Zeit sind mehr als 30 Stücke entstanden – Bühnenwerke ebenso wie installative Arbeiten und Tanzfilme. Die Wurzeln der Arbeit liegen im amerikanischen postmodernen Tanz und im Konzept des „demokratischen Körpers“. Die Arbeitsweise ist offen und prozessorientiert und lebt vom ständigen Austausch mit Künstler:innen anderer Disziplinen. Ein besonderes Merkmal ist das Zusammenspiel von Tänzer:innen und Musiker:innen live auf der Bühne, bei dem Tanz und Musik gleichberechtigt im Dialog stehen. Die Leidenschaft für Interdisziplinarität sowie für poetische und humorvolle Welten zieht sich als roter Faden durch die Arbeiten.

Von 2002 bis 2023 war das Studio laborgras ein zentraler Ort für künstlerische Produktion, Residenzen, Training und Austausch. Zahlreiche nationale und internationale Künstler:innen arbeiteten dort. 2013/14 war das Studio Partner im EU-geförderten Netzwerk SPIDER EXPAND! Auch nach der Schließung bleibt die Verbindung von künstlerischer Arbeit, Training und Austausch ein fester Bestandteil der Arbeit von laborgras.

Die Produktionen von laborgras wurden auf zahlreichen Festivals und Bühnen im In- und Ausland gezeigt. Mit „temporary stories“ war laborgras 2000–2002 zum Resolution! Aerowaves Festival in London sowie zur Tanzplattform Deutschland in Leipzig eingeladen. 2004 erhielt laborgras den Kurt-Jooss-Preis der Stadt Essen. Die 2006 entstandene Produktion „I, Myself and Me Again“ war nach ihrer Uraufführung auf internationalen Festivals zu sehen. In der Tanzwissenschaft und im Bereich der Neuen Medien wurde sie als herausragende interdisziplinäre Arbeit gewürdigt.

2009 entstand mit Unterstützung von Sasha Waltz & Guests im Rahmen von „Choreographen der Zukunft“ das Solo „Rückwärts“. Es wurde beim Internationalen Tanzfestival Tanz im August im Radialsystem in Berlin uraufgeführt. Beim Abend „Choreographen der Zukunft“ in Ludwigshafen hob 3sat das Solo als Höhepunkt hervor.

Im März 2015 erhielt laborgras den Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste in der Sparte Darstellende Kunst. Im September desselben Jahres wurde Renate Graziadei für ihre tänzerische Leistung in „Transition“ für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST nominiert.

Neben den eigenen Produktionen entstanden Auftragsarbeiten für Kompanien und Institutionen in Deutschland, der Schweiz, Österreich, der Elfenbeinküste und der Slowakei.

Von 2022 bis 2025 bestand eine Gastspielkooperation mit der TauberPhilharmonie in Weikersheim, gefördert durch das Programm Tanzland der Kulturstiftung des Bundes. laborgras war dort jedes Jahr mit einer Produktion und einem Vermittlungsformat zu Gast.

Seit 2024 arbeitet laborgras im Rahmen des vierjährigen Zyklus „Generator: BEGEGNUNG“ (2024–2027), in dem der Tanz jeweils mit einer anderen Kunstsparte in einen direkten Dialog tritt. Den Auftakt bildete „A Masque for the Multiverse“, entstanden mit dem Ensemble CONTINUUM und 2024 im Radialsystem Berlin uraufgeführt. Ausgehend von der höfischen, queer geprägten Masque-Tradition des 17. Jahrhunderts verbindet das Stück Musik von William Lawes mit Werken der zeitgenössischen amerikanischen Komponistin Shara Nova. Tanz, Musik, Licht und Stimme verschmelzen zu einem Gesamtkunstwerk, in dem die Grenze zwischen Bühne und Publikum verschwimmt und die Zuschauer:innen unmittelbar in das Geschehen eintauchen. 2026 folgte im Radialsystem die Uraufführung von „Joyful Failure“ mit dem Musiker Liam Byrne – eine Auseinandersetzung mit der körperlichen Erfahrung von Unsicherheit und Scheitern. Ebenfalls 2026 sind beide Produktionen erstmals in Österreich zu sehen: „Joyful Failure“ beim Festival tanz ist in Dornbirn, „A Masque for the Multiverse“ in der Kulturbühne AMBACH in Götzis.

laborgras wird gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.