Renate Graziadei
Renate Graziadei
Tänzerin, Choreografin, Vermittlerin
Künstlerische Praxis & Kollektivarbeit: Renate Graziadei wurde in Österreich geboren und begann ihre Tanzausbildung in der Schweiz. Bald zog es sie nach New York, wo sie drei Jahre lebte, arbeitete und tanzte – unter anderem mit der Nina Wiener Dance Company. Zurück in Europa setzte sie ihre künstlerische Reise fort und arbeitete mit Rui Horta am S.O.A.P. Dance Theatre Frankfurt, bevor sie Mitglied der Hamburger Tanzgruppe COAX wurde. 1994 gründete sie gemeinsam mit Arthur Stäldi das Künstlerkollektiv laborgras, das seither zahlreiche Produktionen und Arbeitsreihen im Bereich künstlerischer Forschung, des Austauschs und der unabhängigen Produktion realisiert hat – häufig in enger Zusammenarbeit mit anderen Künstler*innen. Ein herausragendes Beispiel ist die 2006 entstandene Produktion I, myself and me again, die sowohl in der Tanzwissenschaft als auch im Bereich der Neuen Medien als bedeutende interdisziplinäre Arbeit Anerkennung fand.
Langjährige Zusammenarbeit & geteilte künstlerische Verantwortung: Über zwei Jahrzehnte hinweg verband Renate Graziadei eine enge künstlerische Zusammenarbeit mit dem Choreografen David Hernandez. Diese langjährige Partnerschaft erstreckte sich über zahlreiche Produktionen und prägte ihre Arbeit nachhaltig. Von 2008 bis 2018 war sie als Gasttänzerin bei Sasha Waltz & Guests tätig. Ihre enge Verbindung zur Kompanie begann jedoch bereits 2004, als sie als Trainings- und Probenleiterin in Berlin und auf Tour Produktionen wie Impromptus, Medea, Romeo and Juliette und Continu betreute. Zwischen 2008 und 2018 stand sie zudem regelmäßig als Tänzerin auf der Bühne – unter anderem in Jagden und Formen (Zustand 2008), Dialoge 09 – Neues Museum, Dialoge 09 – MAXXI und Métamorphoses. Über mehr als 15 Jahre hinweg prägte sie zahlreiche Projekte der Kompanie – sowohl auf als auch hinter der Bühne. 2016 folgte ein Engagement als Gasttänzerin bei der Susanne Linke Company in Trier sowie ein Gastspiel in Tokio für die Produktion Hommage à Dore Hoyer.
Tanzvermittlung & künstlerisches Lernen: Die Vermittlung von Bewegung, Körperwissen und choreografischem Denken ist ein zentraler Bestandteil von Renate Graziadeis Arbeit. Seit 1996 unterrichtet sie regelmäßig zeitgenössische Tanztechnik, Improvisation und Komposition. Ihre Lehrtätigkeit führte sie an renommierte Institutionen wie P.A.R.T.S. in Brüssel, die Folkwang Universität der Künste in Essen und die Opéra de Paris. Darüber hinaus war sie im Rahmen internationaler Programme und Festivals in Ländern wie der Schweiz, Österreich, Belgien, Kroatien, Dänemark, Italien, Australien, Frankreich, Spanien, Kolumbien und Korea tätig.
Anerkennung: Für ihre künstlerische Arbeit wurde Renate Graziadei mehrfach ausgezeichnet. In der jährlichen Kritikerumfrage der Zeitschrift ballett international/tanz aktuell wurde sie 1997 als profilierte Nachwuchstänzerin und 2010 als beste Tänzerin gewürdigt. Mit laborgras erhielt sie unter anderem den Kurt-Jooss-Preis in Essen (2004), den Kunstpreis Berlin (2015) sowie eine Nominierung für den Deutschen Theaterpreis DER FAUST (2015).
Foto: Phil Dera
